DAOC-Guide.de :: Thema anzeigen - Utgar der Eroberer (Raubzüge II) Der breite Trampelpfad durch den Wald nahm kein Ende. Die hohen Bäume die seitlich des Wegrandes im Schatten lagen vermittelten ein Gefühl der Bedrohung.

Butor lachte unsicher als er sich seiner lächerlichen Furcht bewusst wurde. Was sollte ihm schon passieren? Wer würde so töricht sein und einen derart grossen Mann angreifen? Irgendwie konnte ihn dieser Gedanke nicht beruhigen. Sicherheitshalber umklammerte er den Speer seines Vaters fester, nur für den Fall das plötzlich etwas hinter den Bäumen hevorspringen würde um ihn anzufallen.

Erneut lachte Butor als er sich der Legenden über diesen Wald bewusst wurde. Südlich von Ardagh gelegen, hiess es das hier gefährliche Riesen wohnten. Nur für den Fall das ihm Riesen begegnen würden lockerte er zusätzlich das an seiner Seite baumelnde Schwert um es schneller ziehen zu können.

Als er nun so dem Weg folgte glitten seine Gedanken 3 Jahre in die Vergangenheit zurück. Sein älterer Bruder Utgar verliess die Hütte ihrer Eltern um auf Geheiss ihrer Mutter die legendäre Schwertmeisterin Santonia aufzusuchen. Eine Ehre um die Butor ihn beneidete. Leider war er zu jung und Ahtan bestand darauf das er noch eine Weile in der elterlichen Obhut bleiben sollte. Einsam wurden die Tage ohne seinen geliebten Bruder. Niemand mit dem er sich spielerisch messen konnte. Aber durch die Abwesenheit seines älteren Bruders konnte er mehr Zeit mit seinem geliebten Vater verbringen.

Ahtan wurde inzwischen alt und sein Haar ergraute, aber er war immer noch ein Hüne von einem Mann. Seine Muskeln waren so geschwollen wie eh und je, nur die Schnelligkeit liess etwas nach.
Vater und Sohn standen früh auf, gingen in den Wald, schwammen zusammen im See, stählten ihre Muskeln durch Lauf und körperliche Übungen um dann heimzugehen während Jadekatze das Frühstück zubereitete.
In kurzer Zeit wurde aus Butor ein ebensolch starker Mann wie sein Vater.

Nun arbeiteten sie zusammen an der Hütte, bestellten die Felder und Butor lernte viel über die Kultur der Nordmänner. Ahtan machte die Unterweisung seines Sohnes Spass und er genoss die Zeit. Trotzdem konnte sich Butor nicht des Eindrucks erwehren das sein Vater irgendwie, nun ja, traurig wirkte. Er liess es sich nicht anmerken, aber auch Butor spürte diesen Ruf, diesen Drang des Blutes nach Taten.
Dies war wohl eine Eigenschaft die alle Nordmänner und deren Abkömmlinge auszeichnete.

Aber am meisten genoss Butor das Kampftraining mit seinem Vater. Einen Speer zu gebrauchen war gar nicht so einfach wie es sich immer darstellte, und der alte Ahtan hatte da einige Tricks auf Lager.
Abends lehrte ihn seine Mutter die Natur und den Frieden und die Harmonie der Welt. Auch diese Stunden waren sehr lehrreich da es ihm half sein wildes Erbe zu bändigen und zu kontrollieren. Eine Eigenschaft die sein Vater nicht hatte wenn der Zorn ihn übermannte.

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Butors Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück als er wieder aktiv seine Umgebung aufnahm. Seine Schritte verlangsamten sich merklich als er sich besann warum er hier war.
Sein Vater erklärte ihm das er nun an der Schwelle zum Mann-Sein stünde, aber jeder Mann einen gewissen Initationsritus durchlaufen müsse um von seinesgleichen als Mann anerkannt zu werden. Seine Aufgabe bestand nun diesen gefürchteten Wald zu durchqueren. Eine Aufgabe die ein verschrecktes unsicheres Kind von einem besonnenen Mann gewiss unterscheiden würde.

Voller Vertrauen in seine Fähigkeiten blickte Butor suchend in alle Richtungen. Wenn sich hier Riesen herumtreiben würden sollte sie nur kommen. Er wanderte Stunden auf dem Pfad und die Sonne stieg auf zum Höhepunkt im Himmel und kehrte langsam zurück um in der dunklen Nacht zu verschwinden. Die Sterne zogen auf und tauchten den Wald in ein gespenstisches funkelndes Licht.

Die Anspannung die den jungen Anwärter von Beginn des Tages an begleitete liess langsam nach. Riesen würden wohl nicht auftauchen, und Butor war enttäuscht, könnte er seine Aufgabe doch nicht erfüllen.

Als er nun müde dahintrottete sprangen plötzlich 4 grosse Schatten, die bisher von den Bäumen verdeckt waren, auf die Strasse und versperrten ihm den Weg.

Riesen...

Erschreckt riss Butor den Speer hoch, ging in Abwehrposition und dröhnte den ungeschlachten Monstern seine Herausforderung entgegen.

„Hoho.“ das Röhren des vorderen Monstrums zerriss die stille Nachtluft.
„Wen haben wir denn da?“
„Ein kleiner Jüngling der einen Zahnstocher hält.“ das Lachen des zweiten Monstrums steckte die anderen an.
„Lass deinen Pickser mal sinken Menschling, bevor du dich damit noch verletzt.“ Der Anführer näherte sich drohend dem jungen Mann.

„Ich werde euch töten ihr Räuber!“ Butor schrie sie an um seine eigene Angst und Unsicherheit zu verbergen. Er hoffte das sie seine schlotternden Knie nicht bemerken würden.

„Hoho.“ Die 4 ungeschlachten Gestalten schütteten sich aus vor Lachen.
„Sag, warum willst du uns denn töten? Hat dir deine Mutter keine Manieren beigebracht?“ Jetzt war Butor verdutzt und zögerlich liess er den Speer seines Vaters sinken. Was wurde hier gespielt? Das waren unverkennbar Firbolgs, Riesen die den Wald bewohnten. Aber sie wirkten ganz und gar nicht bedrohlich, oder wie seelenlose Ungeheuer.

„So ist’s recht Bursche.“ der vordere Firbolg näherte sich dem angespannten Butor. „Willst mir doch nicht gleich wehtun oder?“ das Gebiss mit den grossen vorstehenden Riesenzähnen fletschte sich zu einem gutmütigen und etwas einfältigen Grinsen.

Butor war etwas verwirrt, er hatte mit einem Kampf gerechnet, denn sein Vater liess keinen Zweifel an der Brutalität und Verderbtheit dieser Ungeheuer.
Unsicher näherte er sich den vieren, die ihn freundlich anblickten.
„Ich denke ihr seid Räuber?“ Was eigentlich wie eine Feststellung klingen sollte hörte sich mehr wie eine Frage an.
„Räuber? Du hast aber eine geringe Meinung von uns.“ Der vordere Riese wirkte fast beleidigt. „Komm mit zu unserem Lager und iss mit uns Mensch.“

Zögerlich und noch etwas misstrauisch schloss sich Butor an als die vier Riesen vor ihm in den Wald brachen. Seine Neugier erwachte denn er wollte wissen was gespielt wurde. Nach kurzem Fussmarsch erhellte sich der Wald durch den Schein eines kleinen Feuers über dem ein Reh auf einem Spiess brutzelte. Ein fünfter weiblicher Firbolg wendete es ab und zu damit es schon durch und kross würde, so wie sie sagte.

„Wen bringt ihr denn da mit? Einen kleinen Menschenjungen, wie süss.“ Das Firbolg-Weib täschelte Butor mit einem verzückten Blick an der Schulter. Sie war immer noch einen Kopf grösser als der riesige Butor. „Komm an meine Brust, ich möchte dich drücken.“ sie kicherte liebevoll als sie den Jüngling, der einen hochroten Kopf bekam, an sich drückte. Verlegen wand sich Butor und sie liess ihn los.

„Du hast Ähnlichkeit mit deiner Mutter.“ stellte die Riesin fest.
„Was, du kennst meine Mutter?“ keuchte Butor überrascht.
„Natürlich, ich habe sie selbst in den druidischen Fähigkeiten unterwiesen, also sollte ich sie schon kennen.“ antwortete die Firbolgin eingeschnappt.

Die vier männlichen Kumpane brachen wieder in lautes Gelächter aus. „Hört auf euch die Bäuche zu halten und setzt euch ans Feuer, das Reh ist fertig.“ blaffte die Firbolg-Mutti ihre Kumpane an. „Und du auch mein Junge, setz dich zu uns und stelle deine Fragen die dir auf der Zunge brennen.“

Von dem leckeren Geruch des durchgebratenen Rehes setzte sich die seltsame Gemeinschaft ums Feuer und Butor sah den Firbolgs eine Weile lang zu wie sie grosse Mengen Fleisch mit ihren Hauern abrissen und verschlangen.

In seinem Kopf wirbelte alles durcheinander. Obwohl sie so ungeschlacht aussahen, waren sie alles andere als bösartig. Und die herzliche Art der Firbolg-Mutti hatte ihn schwer beeindruckt.

„Kannst du mir sagen was das alles zu bedeuten hat?“
Die Firbolgs sahen von ihrem Mahl auf und nachdenkliche Falten legten sich auf die Stirn der Druidin. „Du hast deine Prüfung bestanden mein Junge.“
„Was? Das kann nicht sein. Ich hätte euch töten sollen als Männlichkeitsprüfung!“
„Und warum hast du es nicht getan?“ kam die lauernde und erwartende Frage der grossen Frau.
„Weil... weil ihr nicht böse seid.“
„Na siehst du. Du hast bestanden weil du das richtige getan hast.“
„Aber, Vater hat mir aufgetragen den Wald von den Räubern zu befreien!“

Die Firbolg schwieg nachdenklich und die männlichen Mitglieder sahen den Jüngling inzwischen gespannt an.
„Wie du schon bemerkt hast sind wir keine Räuber. Deine Prüfung hatte nur einen Sinn. Du solltest lernen dein gewalttätiges Erbe zu kontrollieren und deine Eltern wussten das. Du hast bewiesen das du die Stärke deines Vaters besitzt, aber gleichzeitig die Gabe deiner Mutter Recht von Unrecht zu unterscheiden. Du bist stark, stark wie dein Vater, und klug - klug wie deine Mutter. Wie es aussieht hast du von deinen Eltern nur das Beste geerbt.“
Ein gütiges Lächeln breitete sich auf dem Gesicht der älteren Firbolg-Druidin aus und sie zog den inzwischen nicht mehr ganz so abwehrbereiten Butor erneut an ihr Herz und drückte ihn liebevoll an sich.
„Nun lauf nach Hause und berichte deinen Eltern das du deine Prüfung bestanden hast. Und sage ihnen das >Mae’vanni< herzliche Grüsse bestellt. Deine Mutter wird es freuen zu hören das es ihrer alten Lehrerin gutgeht."

Butor sprang erfreut auf und die vier männlichen Firbolgs schlugen ihm zum Abschied herzlich auf die Schulter, so dass der hünenhafte Butor in die Knie ging. Freundlich knurrten sie ihm zu er möge sie nicht vergessen und ab und zu sie mal besuchen kommen.

Der junge Mann winkte zum Abschied und rannte den langen Weg zurück ohne innezuhalten. Stolz wollte er diese Neuigkeit seinen mit Sicherheit stolzen Eltern mitteilen.

Als der Morgen zu dämmern begann sah er die Hütte in der er gross geworden war. Die Sonne tauchte alles in ein warmes goldenes Licht und als er zur Tür hineinstürzte sah er seine Mutter die ihm schluchzend entegegensah. „Mutter, ich habe die Prüfung bestanden und...“ stockend unterbrach sich Butor. Er betrachtete seine Mutter genauer und sah das sie schon die ganze Nacht geweint haben musste.

Jadekatze weinte und hinter dem Tränenvorhang stiess sie leise und stockend die Worte hervor die Butor noch Jahre verfolgen sollten: „Dein Vater liegt im Sterben...“

...
...

Am selben Tag lief Butor zum nächsten Dorf um einen Boten zu finden der eine schriftliche Nachricht, die er kurz verfasst hatte, an seinen Bruder im fernen Tir Na Nogh zu schicken. Er bat ihn darin schnell heimzukommen um dem toten Vater die letzte Ehre zu erweisen.